Dienstag, 21.08.2018 02:36 Uhr

Renzo Ferreli: Christusdarstellung in Daisbach

Verantwortlicher Autor: Dr. Bernd Strecker Bad Schönborn, 23.05.2018, 23:07 Uhr
Presse-Ressort von: Dr. Bernd Strecker Bericht 5237x gelesen
Pfarrhaus in Daisbach
Pfarrhaus in Daisbach  Bild: Dr. Bernd Strecker

Bad Schönborn [ENA] Daisbach ist ein kleiner Ort in der Nähe von Sinsheim in Baden-Württemberg. In der evangelischen Gemeinde dort arbeitet seit gut einem Jahr Jonas Rühle als engagierter junger Pfarrer. Er hat schon einiges angestoßen und möchte das Zusammenleben in der Gemeinde weiter vertiefen.

Seit einer Kunstausstellung im rührigen Umfeld von Daisbach, zu der auch der dort wohnende Maler Renzo Ferreli einige Werke von sich beigesteuert hatte, haben sich die beiden kennen und schätzen gelernt. Rühle hatte - nach Rücksprache mit dem Pfarrgemeinderat und dessen Plazet - den Umbau und die teilweise Entkernung des bis dato vernachlässigten Pfarrhauses nach einer von ihm entwickelten und akzeptierten Konzeption durchführen lassen - inklusive beträchtlicher Eigenarbeit. Im Parterre ist nun mit funktional verbundenen, hohen und hell gestalteten Räumen das neue Pfarramt entstanden.

Pfarramt
Pfarramt
Pfarramt

Danach war Rühle noch auf der Suche nach einer „modernen“ Christusdarstellung, die im gegebenen Rahmen des Pfarrzentrums als bestimmender Hinweis und wesentlicher Mittelpunkt dienen sollte. Hier kam - nach weiteren Gesprächen - der oben genannte und bereits über die Grenzen von Daisbach hinaus bekannte Maler Renzo Ferreli zum Zuge. Er erklärte sich bereit, einen solchen Christus mit seinen Mitteln und Vorstellungen zu gestalten. Damit hat er sich auf ein für ihn als Maler völlig neues Terrain gewagt.

Zutritt zum Pfarramt
Christusbild als beherrschendes Element
Arbeitsplatz

Um es gleich zu sagen: Der Versuch Ferrelis ist - wie wir meinen - sehr gut gelungen. Das groß angelegte Bild (ca. 2x2,5 m) zeigt ein Christus-Antlitz mit Dornenkrone. Es ist vollflächig dem Betrachter zugewandt. Er hat den Eindruck, als ob Christus ihn unmittelbar anschaut aber zugleich meint der Betrachter auch, dass diese Person dahinter, eben Christus, von allem abgehoben erscheint und weitgehend in sich selber ruht.

Das hat unter anderem mit der Struktur der Augen zu tun. Sie sind in ihrem Ausdruck nicht identisch, sondern spiegeln als Paar eine Doppelbödigkeit bzw. einen „Gegensatz“ in sich selbst wider. Das ist sehr interessant und macht unseres Erachtens ein besonderes Merkmal des Bildes aus. Der Kontrast der beiden Augenpartien ist - bildlich als Gegensatz und Einheit gesehen - wichtiger und steuernder Teil des Ganzen.

Die Mundpartie, mit den Augen durch die flächige Nase verbunden, wirkt streng - auch, weil ihre beiden Enden nach unten gezogen sind. Deshalb ist jeder Ansatz von Lächeln ausgeschlossen und somit die einheitliche Atmosphäre des inhaltlichen Ernstes gewahrt. Andererseits hat der Betrachter des Bildes niemals das Gefühl der eigenen Ausgrenzung. Im Gegenteil! Es scheint ansatzweise die Möglichkeit der Kommunikation gegeben zu sein, wenn man zugleich die Aussage der Augen mit einbezieht.

Schaut man auf frühere Phasen der Maltechnik Ferrelis, so ergeben sich Parallelen und Unterschiede zum jetzigen Christusbild. Die große Palette der leuchtenden Farben - auch in ihrer Gebrochenheit - ist geblieben; ebenso die farblich stark kontrastierende Flächigkeit. Aber jetzt kommt noch eine stilistisch variierende Betonung wichtiger Akzente hinzu, die in ihrem integralen Zusammenwirken die künstlerische Aussage weiter verstärken.

Der Autor

Schaut man etwa die nachträglich individuell gebildeten Ausschnitte an, so erkennt man die starke kompositorische Durchdringung der gesamten Bildfläche - sowohl im kleinsten Bereich wie auch im übergeordneten Ganzen. Als grober Raster dient hier z.B. ein enges Geflecht von gedachten Linien horizontaler Elemente (Dornenkrone, Augen- und Mundpartie) und vertikaler Abschnitte (Haare, Nase, Halsbereich): Die Aussage der Christusdarstellung ist eindeutig und überzeugend.

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