Sonntag, 16.12.2018 07:34 Uhr

Mumien - Geheimnisse des Lebens

Verantwortlicher Autor: Dr. Bernd Strecker Bad Schönborn, 24.10.2018, 22:18 Uhr
Presse-Ressort von: Dr. Bernd Strecker Bericht 5063x gelesen
Mumie eines Jugendlichen (Nordostasien)
Mumie eines Jugendlichen (Nordostasien)  Bild: Dr. Bernd Strecker

Bad Schönborn [ENA] Nach der Wiederentdeckung der Mumien in ihren Beständen 2004 und der international bestückten Sonderausstellung 2007 bieten die Reiß-Engelhorn-Museen Mannheim (rem) nach nunmehr über 10 Jahren eine zweite Präsentation mit dem Titel „Mumien - Geheimnisse des Lebens“ vom 16.9.2018 - 31.3.2019 an.

In diese Präsentation flossen zum einen auch die Erkenntnisse der anschließenden Mannheimer Wanderausstellung ab 2008 in zwei Kontinenten, d.h. sieben Ländern, besucht von drei Millionen interessierter Besucher und entsprechender Stellungnahmen; zum anderen wurden neueste Forschungsergebnisse internationaler Experten auf dem Gebiet der Mumien-Analyse im Rahmen des „German Mummy Project“ unter der Federführung der rem integriert.

Zur neuen Inhaltsbestimmung erfahren wir: „Der Begriff ‚Mumie‘ bezeichnete lange nur die konservierten Leichname aus Ägypten. Heute versteht man darunter tierische und menschliche Körper, welche auch längere Zeit nach dem Tod noch Weichteile haben. Die Weichgewebeerhaltung kann künstlich herbeigeführt oder auf natürlichem Weg eingetreten sein.“ Durch diesen erweiterten Ansatz ist damit der Weg frei für zusätzliche, wissenschaftlich abgesicherte Bereiche.

Und in der Tat hat sich während der letzten Jahren in der Forschung der bisher bekannte und begrenzte Mumienbereich rasant weiterentwickelt und zudem ausdifferenziert. Das hängt in einem entscheidenden Maß von der Einbeziehung hochmoderner technischer Apparaturen ab, wie etwa dem Computertomographen, oder speziell angewandter Laboranalysen. Außerdem sind wichtige Instrumente im Kontext dieser Sonderwege adaptiert und zudem in den entsprechenden Bereichen weiterentwickelt worden. Erste erfolgreiche Schritte wurden bereits bei der umfassenden Darstellung des „Ötzi“ in Bozen (2011) unternommen.

Dabei haben sich immer wieder neue Fragestellungen der Wissenschaft Schritt für Schritt parallel entwickelt. Wesentliche Punkte davon wurden bereits beantwortet; gleichzeitig aber tauchten naturgemäß wieder neue Fragen auf, die - entsprechend des wissenschaftlichen Vorgehens - einer zusätzlichen Lösung harren oder mit anderen Aspekten verknüpft wurden. Im weltweiten interdisziplinären Expertenverbund sind für diese Ausstellung Prof. Dr. Wilfried Rosendahl, Kuratorin Stephanie Zesch (beide rem) und Prof. Dr. Albert Zink (EURAC Research Bozen) verantwortlich.

Laboreinsicht

Diesen komplizierten Prozess verwebter Strukturen haben die rem in ihrer neuen Ausstellung hervorragend akzentuiert und zugleich exemplarisch dargestellt. Während des Rundgangs geben z.B. immer wieder geschickt zusammengestellte „Real“-Laboreinblicke den wichtigen Hintergrund und die Erläuterung zu der Abfolge der dargestellten Exponate. Die klar strukturierten und verständlich formulierten Texte der Infotafeln sowie großformatige Fotos - auch anderenorts in dieser Ausstellung - unterstützen zusätzlich ein tieferes Verständnis.

Dadurch wird indirekt noch ein zusätzlicher Aspekt geschickt bedient, nämlich die den Mumien anhaftende, zuweilen nicht gerade äußerlich angenehme Atmosphäre zu einem guten Teil abzuschwächen bzw. teilweise zu neutralisieren. Es kann sich aus der dargestellten und erläuterten wissenschaftlichen Arbeit mit dem besonderen Gegenstand sozusagen eine ‚normal temperierte‘ Einsicht beim Besucher einstellen. Hinzukommt, dass es sich bei den mehr als 50 hervorragenden Exponaten nicht nur um Menschen- sondern auch um Tiermumien handelt. Letztere stehen am Anfang der Ausstellung.

Naturmumie eines Caniden (Jordanien)
Keratinhorn eines eiszeitlichen Steppenbisons (Yukon)
Naturmumie einer Hauskatze (Limburg)

Weiterhin erfährt der Besucher: „Für die alten Kulturen Europas sind keine Mumientraditionen bekannt. Im späten Mittelalter kamen die ersten Mumien aus Ägypten nach Europa. Sie prägten den Begriff ‚Mumie‘ und die Vorstellung davon.“ Die Exponate der Ausstellung bieten auch einen sehr interessanten Überblick über die folgende Entwicklung in europäischen und außereuropäischen Gebieten. Somit ergibt sich für den Besucher ein umfassendes Bild von Mumien, die in ihrem geographischen und geschichtlichen Kontext unterschiedliche Lebensweisen zeigen. Die sich weiterentwickelnde Mumienforschung bietet ungeahnte Möglichkeiten zur Analyse vergangenen Lebens.

Mumie v. Nonne Terezia Sandor (Bratislava)
Mumien v. Terezia Borsodi + Sohn (Ungarn)
Mumien v. Terezia Borsodi
Mumie einer Frau (Peru)
Mumie einer Frau (Peru)
Mumie einer Frau (Peru)
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