Dienstag, 19.11.2019 20:14 Uhr

Javagold

Verantwortlicher Autor: Dr. Bernd Strecker Bad Schönborn, 25.10.2019, 12:11 Uhr
Presse-Ressort von: Dr. Bernd Strecker Bericht 4072x gelesen
Dose mit Tanzszene
Dose mit Tanzszene  Bild: Dr. Bernd Strecker

Bad Schönborn [ENA] Vom 25.9.2019 bis 13.4.2020 bieten die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (rem) eine großartige Ausstellung „Javagold - Pracht und Schönheit Indonesiens“ mit ca. 400 Objekten aus dem 7. - 15. Jhdt., der sogenannten klassischen Zeit Javas. Die Ausstellung ist mit mehreren Highlights versehen.

Der eigenwillig gewählte Begriff „Javagold“ bezieht sich auf Preziosen von (nicht durchgehend) javanischen Künstlern, deren Gestaltungsmaterial, Gold, nicht aus Java selbst stammt, sondern aus anderen, umliegenden Ländern eingeführt werden musste. So ist wenigstens der Stand der bisherigen Forschung. Das setzt andererseits aber eine damalige florierende Wirtschaft und/oder eine machtvolle, erfolgreich geführte Eroberungspolitik der Herrscher voraus, um überhaupt das kostbare Metall zu erlangen.

Wie auch immer, - alle ausgestellten Exponate zeugen von einer unglaublichen handwerklichen Fertigkeit, als auch von einer „goldnen“ Schönheit. Die Träger bzw. Trägerinnen gehörten den oberen Eliten des Landes an. Vor allen Dingen aber war es der wichtigste Repräsentant und Inhaber der Macht, der König selbst in seinen unterschiedlichen Funktionen. Allein schon das seltene Vorkommen und der hohe Preis des Goldes sowie die gleichzeitig durch den König veranlasste ‚Kanalisierung‘ des kostbaren Materials machten ihn zur herausragenden Persönlichkeit.

Kopf eines Buddha
Vierarmige Gottheit (Shiva?)
Götterfigur

Gold wurde somit zu einem sozialen Unterscheidungskriterium und untermauerte eine sich allmählich aufbauende oder bereits fest angelegte gesellschaftliche Hierarchie des jeweiligen Herrschaftsbereichs. Die phantastischen Schmuckstücke der Ausstellung lassen dies in ihren historischen Konsequenzen erahnen. Außerdem spielte das Gold aufgrund seiner einmaligen Leuchtkraft und seiner zeitlosen Schönheit eine wichtige Rolle in der damaligen religiösen Vorstellung. Danach ist es nämlich der mit ihm ausgestattete König, der mit den Göttern auf Augenhöhe kommunizieren kann. Das enthebt ihn zugleich aller weltlichen Kritik und Einschränkungen.

Glocke
Dreibeiniger Ständer
Räuchergefäß in Form einer Schildkröte

Dies ist umso erstaunlicher, als in den Grenzen des Landes verschiedene Herrschaftsgebilde existierten, die zudem von unterschiedlichen Religionen beeinflusst und geprägt waren, nämlich durch den Hinduismus und den Buddhismus. Hierbei spielte der Einfluss der mächtigen Nachbarn Indien und China eine bestimmende Rolle. In Java hat sich darüber hinaus ein Nebeneinander und eine besondere ‚Mixtur‘ dieser beiden Religionsformen herausgebildet.

Kronen für König und Königin
Diadem
Griff einer Waffe

Dass diese Ausstellung überhaupt zustande kam, ist auf die schon seit Längerem existierende enge Zusammenarbeit der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim mit der Golden Lotus Foundation in Singapur zurückzuführen. Diese Institution verwaltet unter anderem verschiedene Privatsammlungen. Wir erfahren über das Zusammengehen: „Die goldenen Kostbarkeiten werden seit fast zehn Jahren im international renommierten Mannheimer Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie mit modernsten Methoden untersucht. Ein Raum am Ende der Ausstellung gewährt spannende Einblicke in die Methoden der Gold-Forschung.“

Gürtel mit Inschrift
Plaketten
Tigerkrallen-Kette

Zudem bietet die Ausstellung eine weitere Besonderheit. Aufgrund der Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung aus Darmstadt IGD und United Screens aus Hamburg sind die Verantwortlichen der rem in einem Spezialprojekt bei der Präsentation kleiner Stücke, etwa von Schmuck, völlig neue Wege gegangen.Dazu heißt es: „Dank innovativer 3D-Technik kommen die Besucher den Exponaten besonders nahe. Ohne Spezialbrille oder andere Hilfsmittel erleben sie an vier Displays ausgewählte Kleinodien von allen Seiten um ein Vielfaches vergrößert. Auf diese Weise offenbart jede noch so feine Verzierung ihre besondere Schönheit.“

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