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Dieselbetrug und Technologiefolge(n)abschätzung

Verantwortlicher Autor: Dr. Bernd Strecker Bad Schönborn, 30.05.2018, 12:42 Uhr
Presse-Ressort von: Dr. Bernd Strecker Bericht 5532x gelesen
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VW Logo  Bild: Dr. Bernd Strecker

Bad Schönborn [ENA] Speziell in den vergangenen Jahren wurde immer wieder bei hohen Umsetzungsschwierigkeiten von technischen und mentalen Errungenschaften innerhalb verschiedener Gesellschaftsbereiche die Forderung nach einem neuen Schulfach mit besonderem Akzent der anstehenden Inhalte gestellt.

Nachdem diese dann in einigen Fällen von den Kultusministerien der BRD-Länder umgesetzt worden waren, ließ man jedoch die betroffenen LehrerInnen in ihrem Unterricht meistens ohne jegliche grundlegend-qualitative Ausbildung und flankierende Unterstützung - abgesehen von ein paar anfänglichen, mit heißer Nadel gestrickten Einführungsseminaren - allein im Regen stehen, und zwar nach dem bekannten Motto: Die Schule wird‘s schon richten!

Diese Art von Entwicklung mit nur halbherziger Planung, was im Kultusbereich leider zu oft gang und gäbe ist, rächt sich natürlich in späteren Phasen. Dann aber heißt es immer wieder von den sogenannten „Machern“, natürlich ideologisch verbrämt: Verantwortlich sind leider unsere politischen Vorgänger im Amt. Als ob die verschiedenen Bildungsstränge - parteiübergreifend - nicht auf längere Zeit hin verfasst und detailgenau geplant werden müssten! Und dies vor allen Dingen in Deutschland, das über keine Bodenschätze verfügt.

Gerade hier liegen auch die Gründe für die sich mehrenden Burnouts der LehrerInnen sowie deren innere Emigration. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass die verantwortlichen Politiker - egal welcher Couleur - diese Zusammenhänge entweder negieren oder dazu immer wieder neue, nichts sagende Worthülsen produzieren. Trotz dieser Umstände, die auch schon früher - jedoch weniger krass - herrschten, möchten wir auf eine sehr positive Ausnahmeentwicklung in Baden-Württemberg hinweisen, die sich an den Technischen Gymnasien (TGs) des Landes ergeben haben. Hier gingen Kultusministerium (geleitet von Marianne Schultz-Hector) und eine Gruppe von FachlehrerInnen am Technischen Gymnasium in Bruchsal, was Planung und Umsetzung angehen, Hand in Hand.

Unter der Federführung des Autors wurde das sogenannte „Bruchsaler Modell“ entwickelt und in das damalige Curriculum des TG, speziell was die Fremdsprache Englisch angeht, integriert (vgl. Bernd Strecker: Berufsbildender Fremdsprachenunterricht: Aspekte einer Fachdidaktik Englisch; dargestellt am Beispiel des Technischen Gymnasiums in Baden-Württemberg. Lang Verlag. Frankfurt/M. 1993. Europäische Hochschulschriften: Reihe 14, Bd. 265).

Eine Neueinschätzung des Faches Englisch am TG mit wesentlichen Bausteinen von Technischem Englisch wurde deshalb notwendig, weil man verständlicherweise die technische Kommunikationsfähigkeit und die mündliche/schriftliche Darstellung technischer Inhalte als wichtige Punkte erachtete. Vorbild war die im späteren Berufsleben notwendige Teilnahme auch an außerbetrieblichen Seminaren und Kongressen.

Natürlich stand in diesem Zusammenhang zunächst das Fach Technik im Mittelpunkt, aber zugleich wollte man im Bruchsaler Modell die sinnvolle Integration weiterer Fächer vorantreiben. Dabei sollte aus den gegebenen Gründen das Fach Englisch, das bis dato in Hinblick auf Technik curriculummäßig am stärksten ausdifferenziert worden war, als besonderes Instrument erarbeitet werden. Hinzu kam, dass parallel für das technische Englisch eine komplexe Software (CALL TECH) auf CD-ROM professionell entwickelt und eingesetzt wurde.

Und hier kommt der Begriff Technikfolge(n)abschätzung (zunächst als Singular: ~folge~ und später als Plural: ~folgen~) ins Spiel. Dieser Begriff und seine Umsetzung wurde von der Industrie besonders forciert. Es hatte sich nämlich inzwischen immer wieder herausgestellt, dass während des Studiums die Studenten bei der Erarbeitung dieser Qualifikation erhebliche Schwierigkeiten hatten. Das hängt zu einem Großteil mit der in diesem Feld geforderten speziellen, mehrschichtigen Denk- und Ausdrucksweise zusammen.

Um diese Fähigkeit gezielt zu trainieren, wurden zusätzlich fremdsprachliche Literatur-Bausteine (u.a. auch Dramen Shakespeares) sowie Diskussionsübungen darüber in das Modell integriert. In folgenden Interviews mit den teilnehmenden Schülern und späteren Studenten bestätigten diese deren besondere Effektivität. Das Bruchsaler Modell wurde auch in weiten Teilen Baden-Württembergs und anderen Bundesländern, wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, erfolgreich eingesetzt.

Schaut man den sich momentan ausweitenden Dieselbetrug bei fast allen deutschen bzw. europäischen Autoherstellern an, dann gewinnt auch die Technologiefolgenabschätzung eine besondere Bedeutung. Die verantwortlichen Entscheidungsträger, allesamt ausgewiesene Technologen, haben in ihrer Folgenabschätzung total versagt und das an sich seriöse, von ihnen selbst geforderte Analyseinstrument sogar ins Gegenteil pervertiert. In diesem Kontext wäre es höchst interessant, einmal das von Volkswagen zusammengestellte „Pflichtenheft“ der Software einzusehen, welches die Firma VW an Bosch zur Realisierung gerichtet hat.

Jeder einigermaßen Informierte weiß, dass die Amerikaner vom Dieselaggregat überhaupt nichts halten. Schon immer! Selbst in Kriegszeiten! Wenn also irgend ein Autokonzern auf dem amerikanischen Markt mit dem Verkauf von Dieselfahrzeugen aktiv wird, dann ruft das automatisch bei bestimmten Kreisen in diesem Land erhöhte Aufmerksamkeit hervor. Das Ergebnis kennen wir. Leider! Schlimm ist nur, dass die Verantwortlichen ein ‚feines’ Lügengeflecht systematisch aufgebaut haben und dann noch überzeugt scheinen, alles Negative unter dem Deckel halten zu können.

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